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Werkzeuge, Sicherheit und Sauberkeit

Grobes Vorschneiden der Stammware

Die Stammware ist so schwer, dass sie nicht auf die Standmaschinen gehoben und dort bewegt werden kann. Sie muss am Boden liegend vorgeschnitten werden. Ich lege sie dazu auf einige Kanthölzer und bringe mit Schraubzwingen Parallelanschläge aus langen Brettern an. Als Handkreissäge verwende ich die Makita 5903R. Die Säge schneidet ohne Probleme bis 85mm Dicke. Von preisgünstigen Baumarktkreissägen rate ich ab. Sie erzeugen vor allem Brandspuren im Holz und schneiden nicht geradeaus.

Die Handkreissäge von Makita - eine empfehlenswerte Maschine

Schleifen

Zum Schleifen bieten die Baumärkte viele Geräte an, Exzenterschleifer sind oft schon für unter 20 Euro zu haben. Ich habe diese Maschinen ausprobiert, sie haben sich nicht bewährt. Bei den günstigen Maschinen wird vor allem an der Mechanik gespart, denn die macht ein Gerät teurer. Das, was an Mechanik fehlt, wird manchmal versuchsweise durch Motorleistung wettzumachen versucht. Die Folge sind Geräte, die heiß werden, und bei denen das Schleifpapier schnell unbrauchbar wird. Dazu kommt, dass es bei den Belastungen, die bei einem Bootsbau auftreten, einfach zu beschädigten Getriebeteilen kommt - Ersatz kann zumindest bei den ganz billigen Geräten nicht beschafft werden.
Heimwerker-Markengeräte sind zumindest reparabel, weil die bekannten Marken auch für ältere Geräte immer noch Ersatzteile vorhalten - das ist schonmal ein großer Vorteil. Wirklich Freude macht das Arbeiten erst mit Profigeräten. Ich habe lange mit Heimwerker-Geräten gearbeitet und auch gute Ergebnisse erzielt. Aber seit ich die Profigeräte habe, ahne ich, wie viel Zeit ich hätte sparen können... Die beiden folgenden Geräte bewähren sich zur Zeit bei mir beim Schleifen:


 Bandschleifer 9404 von Makita - der leistungsstärkste handgeführte Bandschleifer aus dem Hause Makita, der über eine Regelelektronik verfügt. Schnelles Arbeiten, sehr gute Schleifergebnisse - wesentlich besser als Baumarktgeräte.

  


Hier der Exzenterschleifer BO 6040 von Makita zusammen mit einem Werkstattsauger, der auch über einen elektrischen Anschluss für eine Maschine verfügt. Diese Kombination ist sehr praktisch. Der BO 6040 kann in zwei Modi betrieben werden: einer als klassischer Exzenterschleifer, ein zweiter, beim dem der Teller zu der Exzenterbewegung auch noch angetrieben wird. Dabei wird dann mehr Material abgetragen. Zusammen mit dem Bandschleifer hat man mit diesem beiden Geräten eine hervorragende Ausstattung zum Schleifen. Die Schleifbänder und -scheiben halten erstaunlich lang. Man braucht diese Geräte nicht aufzudrücken, nur festhalten. Der Rest geht von allein - so soll es sein! 


Von Schraubzwingen kann man nie genug haben...

Präzises Nacharbeiten der Stammware

Nachdem die Stammware vorgeschnitten ist, erfolgen weitere Schnitte auf einer Säge. Ich verwende als Tischkreissäge die Elektra Beckum PK 250 mit Schiebeschlitten. Sie arbeitet präzise und ist robust. Ich empfehle, nicht das mitgelieferte Universalblatt zu verwenden, sondern je nach Einsatzzweck ein gröberes Blatt oder eines für feine Schnitte zu kaufen.  Für zwei gute zusätzliche Blätter müssen ca. 100 Euro investiert werden.
Weiterhin nutze ich die Bandsäge Elektra Beckum BS 450 DNB. Bandsägen arbeiten nicht sehr präzise, haben jedoch hohe Schnittleistungen und ermöglichen Kurvenschnitte, bei denen die Schnittkante orthogonal zur flachen Seite des Holzes liegt. Bei Stichsägen, die man für diese Arbeit auch verwenden kann, wandert das Blatt oft in der Kurve nach außen, wird heiß, läuft blau an und wird dann stumpf.
Zum Hobeln verwende ich die kombinierte Abricht- und Dickenhobelmaschine Elektra Beckum HC 260.

Oben die Kreissäge mit Schiebeschlitten, unten die Hobelmaschine. Links als Dickenhobel, rechts als Abrichthobel. Im Bild links unten erkennt man den Schlauch, der zur Spanabsaugung führt. Die Maschinen von Elektra-Beckum (jetzt Metabo) sind noch keine Profimaschinen, aber sie halten das, was sie versprechen: Mit etwas Erfahrung und Überlegung gelangt man zu sehr sauberen Arbeitsergebnissen, die den Vergleich mit professioneller Arbeit nicht mehr zu scheuen brauchen.

Für die langen Hölzer, die man verarbeitet, benötigt man zusätzliche Unterlagen, um an den Standmaschinen arbeiten zu können. Ich verwende drei Rollenträger, die ihren Dienst leidlich tun: Auf den ersten Blick sehr praktisch, stellt man jedoch fest, dass sie dazu neigen, umzufallen - vermutlich sollte man deutlich mehr als drei solcher Träger verwenden...

Rollenträger, leider nicht kippsicher


Ein echter Alleskönner: Der Multimaster von Fein. Beispiele für die Arbeit mit diesem Gerät sind hier zu sehen.

Klammern mit Pressluft

Für diverse Verklebungsarbeiten kommen Pressluftnagler und -klammerer zum Einsatz. Solche Geräte sind nicht unbedingt erforderlich, es gibt auch elektrische Entsprechungen. Da eine Pressluftanlage aber auch an anderen Stellen von Vorteil ist, habe ich mich für diese Variante entschieden. Ich verwende zwei preisgünstige Geräte: Ein Nagler/Klammerer für Klammern mit schmalem Rücken von Güde, ein weiterer Klammerer für Klammern mit sehr breitem Rücken (nötig für das Klammern von Furnieren). Letzteres habe ich über FIXFAST bezogen, dort erhält man auch die unter Umständen nötigen Klammern aus Edelstahl. 

Schon betagt, tut aber seinen Dienst: Ein kleiner Werkstattkompressor für Drücke bis 8 bar.

Zwei Klammerer und eine einfache Druckluftdüse. Letztere eignet sich sehr gut zum Entstauben von Holzoberflächen.

Luft- und Holzfeuchtemessung

Da ich meine Werkhalle nicht heizen kann, muss kann ich Temperaturen und Feuchten kaum beeinflussen. In der Übergangsjahreszeit bleibt mir daher nichts, als die Arbeit mit dem Expoxidharz unter Umständen auf einen anderen Tag zu verschieben. Um die Arbeitsbedingungen zuverlässig zu beurteilen, ist eine Messung der Temperaturen und Feuchten hilfreich. Für die Messung der Luftfeuchte und -temperatur verwende ich eine einfache "Wetterstation", die ich als Werbegeschenk bei Westfalia erhalten habe. Für die Holzfeuchte ein einfaches Gerät, das ich über Komerci bezogen habe. Letzteres ist kein Profigerät - solche Geräte kosten mehrere Hundert Euro und sind mir gemessen an der Bedeutung, die die Messung hier einnimmt, einfach zu teuer.

Luft- und Holzfeuchtemessung. Die Feuchtigkeit des Holzes sollte im Bereich 8-12% liegen. Da ich meinen Raum nicht heizen kann, liegt sie bei mir etwas höher.

Sicherheit und Sauberkeit am Arbeitsplatz

Auch wenn man als Freizeitbootsbauer arbeitet, ist man Gefahren ausgesetzt. Eine Staubschutzmaske in Profiqualität darf nicht fehlen: Beim Schneiden und Schleifen von Harthölzern entsteht Staub, der als Gefahrstoff anzusehen ist. Eichenstaub ist zwar die reine Natur, aber dennoch krebserregend. Ich verwende daher zusätzlich zur Staubabsaugung (s.u.) eine Vollgummi-Staubschutzmaske mit Zu- und Abluftventilen und auswechselbaren Filtern, wie sie bei Werkzeughändlern zu erhalten ist. Sie schützt bis zum etwa 40-fachen der maximalen Arbeitsplatzkonzentration. Eine Einweg-Maske stört nur bei der Arbeit und hat keinen Effekt. Wenn die Maschine, die ich gerade benutze, mit einer Stauabsaugung verbunden ist, verwende ich die nachstehende Halbmaske. Wenn das Gerät über keine Absaugung verfügt, kommt die Vollmaske zum Einsatz - sie schützt bis zum 400-fachen der maximalen Arbeitsplatzkonzentration.


Links eine gute Halbmaske von Protect mit doppeltem, auswechselbarem Filtersystem: Das Watte-ähnliche Vorfilter hält gröbere Partikel ab, dann strömt die Luft durch das Feinstfilter der Klasse P3. Rechts eine Einweg-Maske, die mir zusammen mit einer neuen Maschine  geliefert wurde. Sie bleibt nicht ohne Grund in ihrer Verpackung...

Links eine Vollmaske, die ich dann verwende, wenn die Maschine, die ich gerade benutze, nicht an eine Staubabsaugung angeschlossen werden kann (z.B. Oberfräse). Rechts ist ein mehrstufiges Filter gezeigt, dass verwendet werden muss, wenn man mit Epoxidharz arbeitet. Der Aufdruck A2-B2-E2-K2-P3 zeigt, dass es gegen chemische und biologische Dämpfe, außerdem gegen Rauch und Staub schützt. Praktisch ist es, wenn man die Masken so wählt, dass sie alle mit denselben Filtern betrieben werden können. Bei mir haben alle Filter das Standard-40mm-Rundgewinde.

Selbstverständlich sind außerdem Schuhe mit Stahlkappen, Schutzhandschuhe passend zum Einsatzzweck (also säurefeste Handschuhe zum Arbeiten mit Epoxid (nachprüfen - nicht jeder Gummihandschu schützt vor jeder Flüssigkeit!), normale Arbeitshandschuhe zum Tragen der Hölzer und so weiter), eng anliegende Kleidung, Schutzbrillen und unbedingt eine professioneller Gehörschutz. Kombi-Sets, die Gehörschutz, Brille und Atemschutz enthalten und oft in Baumärkten angeboten werden, sind wirklich schlecht. Eine vernünftige Schutzausrüstung kostet mindestens so viel wie ein paar ordentliche Arbeitsschuhe, und sie ist dabei immer noch um vieles billiger als ein einziger Arztbesuch. 

Grundsätzlich rate ich dazu, eine Spanabsaugung zu verwenden, wenn man das Projekt ohne Staublunge überleben möchte. Ich verwende die Elektra Beckum Spa 1000 für die stationären Maschinen, und den oben gezeigten Nass-Trocken-Sauger für die handgeführten Elektrogeräte.

Spezialthema: Epoxid

Moderne Epoxid-Harze haben sehr gute Eigenschaften, die sie zu einem unübertroffenen Bootsbaumaterial machen. Bei der Handhabung ist das Folgende unbedingt wichtig:

  • Für das Harz-Härter-Gemisch werden Mischungsverhältnisse angegeben, die unbedingt einzuhalten sind. Wenn man sie nicht einhält, erzeugt man ein Material, das nicht die Eigenschaften hat, die es haben soll, dafür aber andere, die es nicht haben soll: Beim Schleifen des schlecht gemischten, aber ausgehärteten Gemischs gerät Staub in die Luft. Dieser Staub enthält  Harz- oder Härter-Anteile, die (noch) keinen Reaktionspartner gefunden haben -  den finden sie nun in Ihrer Lunge!
    Eine digitale Laborwaage, ein Taschenrechner und am besten entsprechende Dosierpumpen an den Vorratsbehältern helfen, das Verhältnis auf mindestens 1% Genauigkeit zu treffen.
  • Zum Reinigen von Werkzeugen und der zu bearbeitenden Oberflächen wird in der Regel Aceton empfohlen. Aceton ist ein organisches Lösemittel. Es heißt so, weil es organische Verbindungen löst. Dazu gehören die eigene Haut und auch die Lunge. Also verwendet man auf jeden Fall immer entsprechende Spezialhandschuhe (Kosten ca. 7 Euro) und arbeitet an gut belüfteten Orten. Besser noch ist es, wenn man ein entsprechendes Filter für organsiche Verbindungen in die Atemmaske einsetzt.
Ausrüstung zum Anmischen des Harz-Härter-Gemischs. Die Dosierpumpen stammen von West-System  und ersparen die Waage, wenn man West-System Epoxid-Harz verwendet.  In diesem Fall ergibt je ein Pumpenhub der beiden Pumpen eine Mischung im Verhältnis 1:5. Da für das hier verwandte Harz ein anderes Mischungsverhältnis nötig ist, wird eine Waage benutzt. Die Waage ist aber in jedem Fall zu bevorzugen, da es vorkommt, dass man mit der Pumpe etwas Luft ansaugt - ohne Waage besteht dann keine Kontrollmöglichkeit mehr, ob die Mischung gelungen ist oder nicht. In der Regel brauchen die Dosierpumpen nach der Arbeit nicht demontiert und gereinigt zu werden, Harz und Härter sind ausreichend vor Luftfeuchtigkeit geschützt - es sei denn, man unterbricht die Arbeit für mehrere Wochen. Mischbecher mit kreisrunder Grundfläche sind besser für das Mischen geeignet als solche mit rechteckiger wie etwa die üblichen Ausrollwannen zum Lackieren. Im runden Becher bleiben keine unvermischten Rückstände in irgendwelchen Ecken zurück.