Fahrrad Gazelle Grenoble Modell 2004:

Qualitätsbericht nach 5 Jahren  und 15000 km

Auf dieser Seite berichte von hauptsächlichen Problemen, die mit einem nur 5 Jahre alten Fahrrad der niederländischen Traditionsmarke Gazelle aufgetreten sind (Kaufpreis im Jahr 2004: 700 Euro).  Alle Fotos und Texte auf dieser Seite stammen aus dem Jahr 2009. Bevor ich diese Seite veröffentlicht habe, habe ich den Hersteller über die Probleme schriftlich informiert. Der Hersteller  hat erst eine Reaktion gezeigt, nachdem diese Seite online gegangen ist (siehe unten).

Sie lesen hier:
Laufräder: Gefährliche Risse in den Felgen
Tretkurbelgarnitur: Abgerissene Kurbeln gehören zum Tagesgeschäft
Lack: Rostblasen, die bei modernen Lackierungen eigentlich der Vergangenheit angehörten
Beleuchtung: Unverständliches und unzuverlässiges Konzept
Rahmenschloss: Auch ohne Schlüssel mit einem Handgriff geöffnet

Überraschung: Gazelle zeigt Reaktion!
Einige Zeit, nachdem diese Seite online gegangen ist, habe ich von Gazelle einen Brief mit einer Stellungnahme erhalten. Der Brief lässt - gelinde gesprochen - tief blicken. Dazu gehört, dass mir untersagt wurde, den Brief zu veröffentlichen. Ich veröffentliche daher hier meine Antwort auf das Schreiben...

Laufräder: Gefährliche Risse in den Felgen



Die hintere Felge ist praktisch gespalten: Der gezeigte Riss verläuft von der Speichenbohrung bis zur Ventilbohrung. Auch die meisten anderen Speichenbohrungen zeigen Risse. Die Felge ist ein Sicherheitsrisiko. Dabei ist die korrekte Spannung der Speichen regelmäßig geprüft worden. Eine Felge dieser Machart kostet für den Endkunden unter 20 Euro. Eine noch billigere habe ich im Handel nicht gefunden ...

So sieht eine Qualitätsfelge aus (siehe nächstes Bild): Die Speichenbohrungen sind mit Ösen verstärkt, die die Kräfte auf den äußeren und inneren Teil der Felge verteilen.  Eine solche Felge kostet für den Endkunden 40-50 Euro. Schön wäre es gewesen, wenn das Gazelle Rad, das 700 Euro gekostet hat, mit solchen Felgen ausgestattet gewesen wäre.


Als Ersatz speiche ich eine gute Felge ein. Die Speichenösen sind verstärkt, der Felgenstoß ist gut verschliffen (im Gegensatz zur Originalfelge).

Tretkurbelgarnitur: Abgerissene Kurbeln gehören zum Tagesgeschäft

Das Kettenblatt ist von der Kurbel abgerissen. Ich habe zur Zeit die dritte Tretkurbelgarnitur in Gebrauch, die vierte habe ich schon "auf Halde", weil das Problem immer wieder auftritt (jedesmal werden ca. 40 Euro fällig). Eine Anfrage beim Hersteller, ob es eine passende Kurbel in besserer Qualität gebe, blieb ohne Antwort. Standardkurbeln passen nicht!  
Die Kurbel reißt grundsätzlich in einem Moment, wenn man kräftig in die Pedale tritt - zum Beispiel dann, wenn man bei herannahendem Verkehr eine Straße überquert. Ein Sicherheits- und Verletzungsrisiko!

Lack: Rostblasen, die bei modernen Lackierungen eigentlich der Vergangenheit angehörten



Dass das Metall rostet, wenn der Lack abgeschlagen wird, ist normal. Dass der Lack auch ohne erkennbare Beschädigungen vom Rost unterwandert wird, ist ein Anzeichen für eine schlechte Rostvorsorge.

Der Ständer: Schon nach dem ersten Winter sah er so aus, wie hier gezeigt: Einen Rest des grauen Schutzlacks erkennt man noch (Pfeil) - der allermeiste Lack ist in großen Blättern einfach herabgefallen.

Beleuchtung: Unverständliches und unzuverlässiges Konzept

Das Rad ist ab Werk mit einem batteriebetriebenen Rücklicht ausgestattet. Ein verwunderliches Konzept, da das Rad außerdem über einen Dynamo verfügt. Das Rücklicht ist mit einem Helligkeits- und Bewegungssensor ausgestattet. Leider zeigen sich schon wenige Wochen nach der Anschaffung Probleme: Man muss bei Dunkelheit mit der Faust auf das Licht schlagen, um den "Bewegungssensor" davon zu überzeugen, dass das Licht während der Fahrt bitte nicht selbsttätig ausgehen soll. Ein neues Licht wird auf Garantie geliefert. Es zeigt nach wenigen Wochen dasselbe Problem.   Die Konsequenz: Ich zerlege das Licht gewaltsam und fertige einen Adapter aus Aluminium, um anschließend ein handelsübliches Rücklicht von Busch und Müller anbringen zu können. Ohne Adapter geht es leider nicht - die Bohrungen am Gepäckträger passen nicht zu handelsüblichen Rücklichtern.



Die Reste des originalen Rücklichts. Der Pfeil zeigt auf den Schalter. Er ist kaum gegen Feuchtigkeit geschützt im Inneren des Lichts untergebracht. Die Unzuverlässigkeit überrascht daher nicht.



Vernünftige Lösung: Ein Rücklicht von Busch und Müller am selbstgefertigten Adapter. Ohne diesen geht es nicht - offenbar wünscht sich der Hersteller, dass man schlechte Originalteile durch schlechte Originalteile ersetzt.

Rahmenschloss: Auch ohne Schlüssel mit einem Handgriff geöffnet

Durch Zufall erfahre ich, dass das montierte Rahmenschloss im Rufe steht, mit einem Schlüsselrohling sehr einfach geöffnet werden zu können:
http://www.youtube.com/watch?v=K4SUSt2cwEk
Obwohl der Händler, bei dem das Rad gekauft wurde, meine Adresse hat, gab es offenbar keine Initiative, die betroffenen Kunden zu informieren. Ich wende mich direkt an AXA. Hier gebührt hohes Lob: AXA sendet mir ohne Umstände ein neues Schloss. Ein schönes Beispiel für einen guten und verbindlichen Umgang mit Kunden. Es hätte mich gefreut, wenn auch Gazelle auf die nachweislichen Probleme reagiert hätte, die ich in zwei Briefen mitgeteilt hatte.



Das fragwürdige Schloss SL9 von AXA. Nach kurzem Anruf erfolgt sofort der Ersatz - nicht durch Gazelle, sondern durch den Zulieferer AXA. Das stimmt zuversichtlich!